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"Gesundbeitliche Unterschiede bei der Vitamin-Versorgung der Europäer"
von Professor Hademar Bankhofer

Die Vitamin-Zufuhr der Bewohner der verschiedenen europäischen Länder in der täglichen Nahrung spiegelt sich exakt in den Risiko-Situationen gegenüber Erkrankungen. In den südeuropäischen Ländern, in denen die mediterrane Kost Alltag ist, sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht das große Thema in der Medizin. In Mitteleuropa und in Nordeuropa stirbt jeder Zweite vorzeitig an diesem Krankheits-Komplex. In den Ländern, in denen Gemüse und Obst in großem Ausmaß produziert und in seiner vollen Reife erntefrisch angeboten wird, treten ganz bestimmte Krebsarten wie Magen-, Darm und Lungenkrebs seltener auf.

Namhafte, spektakuläre Studien wie die Basler Studie, das Monikca-Projekt der W4O und Studien an der Harvard Universität untermauern diese Beobachtungen und zeigen gleichzeitig, wie wichtig für alle Europäer speziell die Zufuhr von Vitamin A, E und C ist.

Interessant sind Beobachtungen des Institutes für Sozialmedizin an der Universität Wien: Sobald Europäer aus einem Land mit einem gesünderen Ernährungsprofil in ein anderes Land kommen und sich dort den gegebenen, nicht so gesundheitsfördernden Essens-Gewohnheiten anpassen, ändert sich auch sofort ihr Risiko-Status gegenüber bestimmten Erkrankungen.

Daraus ergeben sich zwei Gedanken-Schwerpunkte:

Es müßte im Rahmen der Europäischen Union das Bewußtsein für eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung - nach dem Vorbild der mediterranen Kost - in ganz Europa aufgebaut werden.

Und es müßte dort, wo es nicht möglich ist und wo gravierende Vitamin-Mangelerscheinungen vorliegen, die Aufklärung über eine ebenso ausgewogene Vitamin- und Mineralstoff-Substitution verstärkt werden. Herz-Kreislauferkrankungen nehmen in der Todesursachenstatistik der westlichen Welt den ersten Platz ein. Die bekannten Risikofaktoren, die atherosklerotische Erkrankungen fördern, wie z.B. Hypercholesterinämie, Hypertonie und Rauchen können jedoch nur ca. 50% der Todesfälle erklären. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, daß zusätzlich die Aminosäure Homocystein als eigenständiger Risikofaktor der Atherosklerose gesehen werden muß.

Aufmerksam wurde man auf diesen Zusammenhang durch die Homocystinurie, eine genetisch bedingte Störung des Homocysteinstoffwechsels, die mit einer drastischen Erhöhung der Homocysteinkonzentration im Blut und bereits in frühen Lebensjahren auftretenden atherosklerotischen Veränderungen bei den Betroffenen einhergeht. Unbehandelt sterben diese Patienten oft noch vor dem 30.Lebensjahr an Herzinfarkt oder Hirnschlag in Folge der Gefäßveränderungen. Durch Untersuchungen an Homocystinurie-Patienten sowie Tier- bzw. in-vitro-Versuche und unterschiedlichste epidemiologische Studien wurde Homocystein als eigenständiger Risikofaktor der Atherosklerose identifiziert. Das Risiko koronarer Herzerkrankungen steigt mit steigendem Homocysteinspiegel linear an.

Homocystein wird im menschlichen Organismus aus der essentiellen Aminosäure Methionin gebildet und entweder zu Methionin remethyliert oder zu Cystin abgebaut. An diesen Stoffwechselschritten sind die Vitamine Folsäure, Vitamin B6 (Pyridoxin) und Vitamin B12 (Cobalamin) beteiligt.

Daher liegt der Gedanke nahe, durch die Gabe der am Homocysteinstoffwechsel beteiligten Vitamine den Homocysteinblutspiegel positiv zu beeinflussen, d.h. zu senken. In verschiedenen Studien konnte durch die Gabe der Vitamine eine Senkung des Homocysteinspiegels erreicht werden. Allerdings wurden hier vor allem hohe, den nutritiven Bereich deutlich übersteigende Dosierungen eingesetzt.

In eigenen Untersuchungen konnte festgestellt werden, daß sowohl bei gesunden jungen Personen als auch bei Personen mittleren Alters durch die Verabreichung der drei Vitamine bereits im nutritiven Dosierungsbereich eine signifikante Senkung des Homocysteinspiegels erreicht werden kann. Um den Beitrag der einzelnen Vitamine zu Homocysteinsenkung zu verifizieren, wurden in weiteren Studien - wiederum in niedriger Dosierung - die Vitamine sowohl in Kombination als auch als Einzelgabe verabreicht. Es konnte gezeigt werden, daß die Folsäure im wesentlichen für die Senkung des Homocysteinspiegels verantwortlich ist und den Vitaminen B6 und B12 eher eine additive Wirkung zukommt.

Die Ergebnisse lassen den Schluß zu, daß die Vitaminversorgung in den untersuchten Gruppen nicht optimal war, da durch geringfügige Zulagen insbesondere der Folsäure die Konzentration des Atherosklerose-Risikofaktors Homocystein wirkungsvoll gesenkt werden konnte.

Quelle: m-press

Über den Autor
Prof. Hademar Bankhofer, der renommierteste Medizinjournalist zum Thema Naturheilweisen, ist durch seine Fernsehauftritte und Kolumnen einem großen Publikum bekannt. Er genießt Anerkennung nicht nur bei einem breiten Publikum, sondern auch in medizinischen Fachkreisen.



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